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Letzte Aktualisierung: 26. Mai, 2004 | Seite drucken

Geisterwelt

Der Glaube
In der Glaubenswelt der Ao Lai wird mit dem Tod eines Menschen seine Seele an einen höheren Ort gerufen, die Ebene der Toten[Jïngshén guó (Geisterreich)]. Hier entscheidet das Gericht des Himmels[Tian cài] über den weiteren Verbleib der Seelen[Rén]. Die Ao Lai glauben, das sich in Himmel[Tian] und Hölle[Dïyù], die Götter[Shén] und Engel[Tianshi] bzw. die Dämonenfürsten[Èmó Xian Sheng] und Dämonen[Èmó] aufhalten.

Ein gestorbener Ao Lai sollte, um im Jenseits Glückseligkeit erlangen zu können, unverstümmelt begraben werden. Insbesondere Kopf und Körper sollten nie getrennt in der Erde ruhen. Erdbestattung und Urnenbestattung werden gleichberechtigt nebeneinander benutzt. Gräber werden nicht mit Identifikationszeichen markiert. Lediglich auf dem Hausaltar wird eine hölzerne Stele für den Verstorbenen aufgestellt.

Einen wichtigen Teil des Lebens in Ao-Lai bildet die Ahnenverehrung, da die Menschen glauben, dass die Geister der Ahnen sich rächen, wenn ihnen nicht der gebührende Respekt entgegengebracht wird. Mit den Opfern, die die Lebenden den Toten darbringen, stellen sie die Versorgung der Ahnen auf der Ebene der Toten sicher. Opferungen (einschließlich Papieropfer) finden normalerweise im Tempel, an Begräbnisstätten oder vor den Stelen des Hausaltars statt.

Die Ankunft
Sterben die Ao Lai, werden ihre Seelen durch die Begräbnisrituale von ihrem Körper befreit oder verlieren diesen Kontakt nach einiger Zeit von alleine. In dieser Zeit sind sie angreifbar für die wenigen magisch begabten Totenbeschwörer.

Normalerweise "versickert" eine Seele im Boden und gelangt so in das Reich der Toten. Hier ist der Geist aufgefordert, sich dem Gericht des Himmels zu stellen und seine gerechte Strafe zu empfangen. Wer die Kraft aufbringt und sich weigert, dem Ruf des Himmlischen Gerichts nachzukommen, kann als Geist in die Welt der Lebenden zurückkehren.

Landschaft und Klima
Ao-Lai und die Ebene der Toten sind, soweit Ausdehnung Lage und Bewegung der Inseln betroffen sind, identisch. Es gibt aber keinerlei natürliche Fauna oder Flora. Der Himmel über der Totenebene ist braun, was daran liegt, dass die Totenebene unter der Erde liegt. Ein Lebender, der auf die Ebene gelangt, wird feststellen, dass das Land im Griff einer eisigen Kälte liegt. Der ständig wehende Wind und der Kältenebel werden ihm die Lebenskraft aussaugen und wo in Ao-Lai die Weiten des Ozeans liegen, existiert hier ein Meer aus Eis. Die lebensfeindlichen Bedingungen haben auf Geister keinen Einfluss, sie nehmen die Kälte nicht wahr.

Bevölkerung
Neuankömmlinge erscheinen in ihrer ehemals körperlichen Gestalt, wenn auch mit einer blassen, fast weißen Hautfarbe. Sie tragen weite weiße Gewänder und manche von ihnen das Abbild eines mit ihnen verbundenen Gegenstands (Schale eines Bettlers, Schwert eines Kriegers usw.). Willensschwache Geister bleiben diesem Bild für den Rest ihrer Existenz verhaftet. Andere lernen, ihr Aussehen und ihre Kleidung willentlich zu verändern. Eine echte Gestaltwandlung bleibt den willensstärksten Geistern vorbehalten (ihnen sind Verwandlungen in die Gestalt anderer Geister, Menschen oder nichtmenschlicher Vorbilder und Horrorgestalten möglich).

Auch andere mystische Fertigkeiten erwerben die Geister im Laufe der Zeit. Hierzu zählt die Zeitlose Reise[Zaode Luxíng] an den Ort der Ankunft (hier erscheinen die Opfergaben seiner Nachfahren) wenn sein Name in Gedenkgebeten benutzt wird und die vampirische Nutzung der Energie anderer Geister.

Versorgung
Hier wird deutlich, wieso die Ahnenverehrung in Ao-Lai so wichtig ist. Sämtliche Güter, die den Geistern zur Verfügung stehen, bilden sich durch die Opfer, die zu Ehren der Ahnen dargebracht werden. Die häufigsten Opfergaben sind Speisen, Getränke, Räucherstäbchen und verbrannte Nachbildungen von Dingen des täglichen Lebens aus Papier.

Speisen, Getränke und Rauch verstärken und erhalten die Lebenskraft eines Geistes, die Papierobjekte nehmen die Form ihrer Vorbilder an, sind aber nicht von Dauer. So ist ein ständiger Zustrom der Geschenke von Gläubigen notwendig, um den Lebensstil eines Geistes zu erhalten.

Geister, deren nicht gedacht wird, sind die schwächsten Mitglieder der Gemeinschaft, sie haben den Status von Bettlern oder Aussätzigen und "leben" von den Resten der Gesellschaft. Hierzu gehören auch die Opfergaben, die zu Ehren von Toten erbracht werden, die inzwischen wiedergeboren wurden oder in Himmel und Hölle eingegangen sind.

Sozialstruktur
So wichtig und bestimmend die Familie oder familienähnliche Gruppen in Ao-Lai sind, hier fehlen sie völlig. Es gibt allerdings dorfähnliche Gemeinschaften, die aber durch die Vergänglichkeit der Häuser ständigen Veränderungen unterworfen sind.

Auch das Fehlen der ethischen Elite macht sich natürlich bemerkbar, da die Geister von Ao-Lai, deren Leben von keinen oder nur kleinen Verfehlungen überschattet ist, nur kurze Zeit auf der Ebene verweilen, bevor sie dem Ruf der Wiedergeburt oder der Beförderung in himmlische Gefilde folgen. Dass auch die Geister von Menschen, deren schlechter Lebenswandel außer Frage steht, nur kurz auf der Ebene der Toten bleiben, bevor sie in der Hölle landen, ist nur ein schwacher Trost.

Neben den Geistern, deren nicht gedacht wird, gibt es eine weitere Gruppe von Geistern, die sich im Bodensatz der Totenebene wiederfinden. Dabei handelt es sich um die Verstümmelten. Die Geister von Toten, deren Körperteile nicht gemeinsam begraben wurden, müssen Zeit ihrer Existenz die abgetrennten Teile mit sich führen. Dies führt zu teilweise sehr grotesken Formen geisterhafter Existenz.

Als letzte Gruppe sind noch die Selbstmörder zu nennen. Sie haben nur eine Chance, die Ebene jemals wieder zu verlassen. Sie müssen dafür sorgen, dass ein Lebender zu Tode kommt, der dann ihre Stelle einnehmen muss.

Minderheiten
Die in Ao-Lai befindlichen Minderheiten (Shintaiy, Tiergeister und Nichtmenschen) sind auch hier zu finden, sofern ihnen eine Seele eigen ist und sie nicht über eigene Vorstellungen von einem Leben im Jenseits verfügen.

Eine andere Gruppe, auf die der Begriff Minderheit nur unvollkommen zutrifft, sind die Dämonen, deren Existenzraum unterhalb der Ebene der Toten beginnt. Sie sind die Geißel der Geister, denn ihre Überfälle kommen überraschend. Sie zerstören oder stehlen die Opfergaben der Nachfahren und zwingen Geister in ihre Dienste.

Regierung und Verwaltung
Es gibt nur zwei unvergängliche Bauwerke auf der Ebene, das Gericht des Himmels und die Festung des Herrn der Toten[(Rén Sheng) Baolei].

Das Gericht des Himmels: Hier haben sich alle Neuankömmlinge zu melden. Ihnen wird der Prozess der Gerechtigkeit[Sùsòng ta Shenpàn] gemacht, in dem alle guten und schlechten Taten ihres letzten Lebens gegeneinander abgewogen werden und in eine zu erduldende Strafe münden. Aufenthalt auf der Ebene der Toten für mindere Verfehlungen, befristete Folterstrafen in den Höllen der Schmerzen, Wiedergeburt oder Berufung in himmlische oder dämonische Sphären stehen zur Wahl. Das Gericht ist der einzige Ort mit einem offiziellen Übergang in Himmel und Hölle.

Dem Gerichtspersonal steht eine Einheit Wachsoldaten[Shouwèi] zur Verfügung. Alle Angestellten des Gerichts sind Geister, deren "Strafe" diese Tätigkeit einschließt. Lediglich der oberste Richter ist ein Gesandter Hous, des Affengottes[Hou].

Die Festung des Herrn der Toten: Die oberste Instanz (außer für Rechtsprechung) ist der Herr der Toten. Er soll dafür sorgen, dass sich die Übergriffe aus den Gefilden der Dämonen in Grenzen halten oder dass Dekrete des Affengottes umgesetzt werden. Als Beispiel sei hier die Anordnung genannt, nach der den Göttern Magiras eine Armee zur Verfügung gestellt werden musste.

Nachdem dieses Amt lange Zeit von Sternsteinmagiern korrumpiert worden war, ist seit einigen Jahren wieder ein rechtmäßiger Herr der Toten im Amt (Chiang Lung Bái[Sohn des Drachen - Chiang Lung; Beiname "der Weiße" Bái, da er meist in Kleidung dieser Farbe auftritt], der Geist des gestorbenen Sheng Deng Chiang Lung), der es schwer hat, seinen Aufgaben gerecht zu werden, da er erst einmal seinen Amtssitz von Korruption und Klüngelei mit Dämonen reinigen muss.

Interaktion mit Ao-Lai bzw. Magira

Götter
Die Glaubensgemeinschaft der Ao Lai, die sich der Anbetung des Affengottes Hou gewidmet hat, bestimmt das religiöse Leben des Reiches bis hin zu den wichtigsten politischen Entscheidungen. Die Ao Lai wissen sehr wohl, daß im Himmelspalast noch andere Götter existieren, doch haben sie sich bewußt für den einzigen Gott entschieden, der sich ihrer in höchster Not annahm (siehe "Abenteuer in Ao-Lai", Kapitel: Geschichte). Andere religiöse Gruppen haben bestenfalls einen Sektenstatus.

Hou ist ein lebendiger Gott, das heißt, er greift durchaus in das Leben seiner magiranischen Gläubigen ein, sei es mit göttlichen Manifestationen oder mit affigen Streichen. Als Beispiel sei hier die Wette angeführt, die er mit Billy the Cristal (einem Gott der Qun) einging. Als Folge davon kehrte ein Armee wiedergeborener Seelen in Affenkörpern nach Magira zurück und begann einen Bekehrungsfeldzug auf der Alten Welt.

Dämonen
Durch die Beschwörung von Dämonologen oder Dämonenpriestern auf die Welt gerufen, können sie schlimmes Unheil anrichten. Auch Flüche und magische Rituale von unachtsamen Möchtegernzauberern haben schon für zerstörerische Manifestationen gesorgt.

Wiedergeborene
Dies ist der normale Weg von Geistern/Seelen um nach Magira zurückzukehren. Ein Teil der geborenen Kinder erhält keine neue Seele, sondern die wiedergeborene Seele eines verstorbenen Ao Lai. Da ihre Erinnerungen auf dem Weg der Transformation verloren gehen, ist der Unterschied marginal.

Gespenster/Geister
Eine Seele, die sich weigert, in das Reich der Toten einzugehen, oder von einem Nekromanten eingefangen wird, bleibt als Gespenst auf der magiranischen Ebene zurück und fristet dort ihre traurige Existenz. Im Dienst ihres Herrn oder eigener abstruser Wertvorstellungen bringen sie mehr Unglück als Gutes über die Menschen. Ihre Stärke ist ihre magische Kraft und ihr großer Nachteil ist ihre Vernichtung durch Sonnenlicht.

Kuei-Jin
Die Gesandten des Herrn der Toten sind körperliche Manifestationen von Geistern. Der Prozess ihrer Werdung durchläuft verschiedene Phasen. Die erste Phase nach ihrer Erschaffung sind die Chin-Mei, eine zwar menschenähnliche Form, aber bar jeglicher menschlicher Gedanken. Sie sind nicht mehr als tollwütige Tiere, die nach menschlichem Fleisch und Blut gieren, um ihre Existenz aufrecht zu erhalten. Überleben sie diese Phase und bekommen sie genug Nahrung, erwacht in ihnen der Geist des Gesandten. Ab diesem Zeitpunkt können sie als "normale" Vampire gelten. Sie ernähren sich noch immer vom Blut der Menschen, können aber Kraft ihres Willens vermeiden, ihre Opfer zu töten. Die letzte Stufe, die vollwertigen Kuei-Jin, ernähren sich von der reinen Lebenskraft der Menschen. Damit können sie noch immer einen Menschen töten, doch ist es unauffälliger, von vielen wenig zu nehmen, als alles von einem.

Lediglich die willensstärksten der Kuei-Jin können den Strahlen der Sonne ohne Schaden wiederstehen.

Gedenktag
An einem besonderen Tag im Jahr, dem Tag der Toten[Fengsú wú yòng de], ist die Grenze zwischen der Ebene und Magira sehr leicht zu durchdringen. Es kommt zu verstärkten Geistererscheinungen in der Welt der Lebenden. Dies führt in wohlwollend verbundenen Familien zu größeren Treffen der Verwandtschaft. In Familien, in denen das Verhältnis zu den Ahnen eher gestört ist, ist dieser Tag Anlass für Konsultationen von Geistervertreibern oder anderen Schutzmaßnahmen. Eine besondere Gefahr geht an diesem Tag von den Geistern der Selbstmörder (s.o.) aus. Sie warten nur auf eine Gelegenheit, um unachtsame Reisende in den Tod zu treiben.

Harald Zubrod

Update [26. Mai 2004]: Weitere Infos zum Geisterreich


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